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Die Erfindung der ›One Day Residency‹

Mehrere male war ich auf einem Artist in Residence Aufenthalt. Meine Zeit im Iran wurde durch so ein Stipendium möglich auch ein prägender Aufenthalt in Plüschow in Deutschland. Es ist ein wichtiges Format in dem man als Künstler bei einer Einrichtung (meist der öffentlichen Hand) mehrere Wochen ein Umfeld zur Verfügung gestellt bekommt in dem man konzentriert intensiv an einem Projekt arbeiten kann. Es sind auch wichtige Meilensteine in der eigenen Biografie: Je besser sich die liest, desto eher wird man akzeptiert, desto besser wird sie sich dann lesen usf.

Das Prinzip der Strasse ist Bewegung

Daher habe ich eine Erweiterung dieses Formates erfunden: Die One Day Residency. Ab Belgrad nordwärts Richtung Vardø und Nordkap habe ich mich bei Kultureinrichtungen beworben und das funktioniert so:

Bitte ladet mich zu einem Artist in Residence Programm ein, mit einem Stipendium von 20 EUR pro Tag und abschliessender Ausstellung. Nach einem Tag muss ich weiter, also ist die Dauer einen Tag, am Abend die Ausstellung, das Stipendium beträgt 20 EUR alles in allem und dann geht es weiter entlang der Europastrasse Richtung Norden.

Natürlich ist da ein Augenzwinkern dabei, auch wollte ich damit den Kunstbetrieb ein wenig persiflieren: Ich wurde für dieses selbst kreierte Format 2 x eingeladen und das steht nun auch in meinem Lebenslauf. Andere Residencies waren einfacher zu bekommen...


Ein "Artist in Residence"-Programm ist ein Art Stipendium für Künstler. Man bewirbt sich für einen bestimmten Zeitraum, meist ein bis sechs Monate bei einer speziellen Einrichtung, Stadt oder Organisation um dort zu leben und zu arbeiten. Während dieser Zeit haben die Künstler die Möglichkeit, ihre kreativen Projekte zu entwickeln, neue Ideen zu erforschen und sich mit der lokalen Kunstszene oder anderen Künstlern auszutauschen. Manche Programme beinhalten auch öffentliche Präsentationen oder Ausstellungen, bei denen die Ergebnisse der Arbeit gezeigt werden.

Spannend daran ist dass es dass man in ein neues Umfeld kommt und gerade dadurch eine neue Perspektive einnimmt. Auch das fördert die Entstehung von einzigartigen, oft unkonventionellen Werken.

Plüschow Sofa

Anlässlich meines Artist in Residence Aufenthalt im Kunsthaus Mecklenburg habe ich folgendes notiert

Ausstellungsansicht


Ein Sofa sticht mir ins Auge. Am dritten Tage wandert es vom Wohnraum meines Aufenthaltes als Stipendiat ins Atelier. Es ist nun Subjekt. Meine approximative Phantasie spricht. Es trägt eine zeitliche Signatur. Es ist wohl ein Stück der 1970er Jahre. Nun, ich befinde mich aber in Mecklenburg. DDR in den 1970er Jahren. Hinter dem Sofa stand also System. Es steckt auch Designwille dahinter, das spürt man. Es ist nicht abgenützt. Trotz seiner Geschichte!

Schliesslich beginnt die Suche nach seiner Herkunft, seiner Geschichte. Es stellt sich heraus, es hat ein Mecklenburger Künstler gestiftet. Er wiederum bekam es von seinen Eltern. Sein Vater mittlerweile verstorben, seine Mutter lebt noch. Eine Einladung von mir erfolgt. Später stehen Sie vor der Türe, kommen herein, sie nimmt auf dem Sofa Platz, prüft es, erzählt Geschichte.

Künstlerisch ordne ich die Arbeit in meinen Appearance Zyklus ein. Irgendwo taucht mein mobiles Studio auf. Es war schon auf einem Wanderweg im Wald, auf einer Esplanade, auf einem grönländischen Dorfplatz – in einem Gastatelier. Erneut zeigt eine Appearance ein Muster unserer selbst, gibt einen Querschnitt jener Leute die einen Wanderweg, eine Esplanade, einen grönländischen Dorfplatz oder ein Künstleratelier besuchen.

geschrieben 2018, mittlerweile war das Sofa in zahlreichen Ausstellungen,
zB. ›sitzen‹ mit Alois Riedl

corviale

Andrea Gnam über das Buch corviale

Rezension aus der Zeitschrift ›Photonews‹, Sommer 2015 - Text: Andrea Gnam

Eine zottige Schafherde weidet auf einer Wiese im Vordergrund, rechts und links beschneidet der Bildrand bei einem der Tiere den Kopf, bei den anderen Rücken und Hinterläufe, in der Mitte trottet ein einzelnes Schaf, während am Horizont ein langgestreckter Flachbau einen Riegel bildet. Hellblau, mattes Grün, verhaltenes Grau sind die Farben, während ein sonnengelber Längsstreifen den Buchrücken markiert:

„corviale“ heißt in denkbarer Schlichtheit das Fotobuch des Österreichers Otto Hainzl

der sich dem Leben innerhalb der archtektonischen Vorgaben des riesigen, am Stadtrand von Rom gelegenen Wohnkomplexes widmet. 8.000 Einwohner auf zehn Etagen untergebracht, in einem