Ein Land im kulturellen Lockdown!

Mein Religion ist die Kunst, also öffnet meine Kathedralen wieder! Museen gehören zu den sicheren Plätzen in Österreich (vgl 2.11.2020 Mittagsjournal Klaus Albrecht Schröder). Warum also der kulturelle Lockdown?

Heute ging das Journal um Fünf (2.11.2020 Ö1 17:00) der Frage nach “Warum müssen Lokale Theater und Museen zusperren während Gottesdienste weiter stattfinden können?”

Das ist eine spannende Frage, weil ein Gottesdienst-Besuch ist der Besuch einer Veranstaltung, ein Museumsbesuch nicht.

Ich kritisiere nicht die Gottesdienste, ich kritisiere die undifferenzierte Schliessung des Kulturbetriebes! Und ich kritisiere die Argumentationslinie von Susann Raab im Journal: Fr. Raab, die Ö Kultusministerin, argumentiert mit dem Verfassungsecht auf Religionsfreiheit.

Daraus leitet sie die Freiheit jeder kirchlichen Veranstaltung ab?! Das ist ja steil. Das ist eine Gesetzesauslegung die mich staunen lässt. Mit dieser Logik sind wir der Pandemie endgültig ausgeliefert: Kirche muss alles dürfen wegen verfassungsrechtlicher Religionsfreiheit? Die Logik von einer Ministerin so zu hören hat mir einen mittelschweren Schock versetzt.

Ich finde viele Massnahmen im Zusammenhang der Pandemie sinnvoll, auch bei den Aktuellen. Aber hier regiert die Verständnislosigkeit.

bike kill

BGD Photo Month, Julie Glassberg
Bike Kill – BGD Photo Month 2019

Bike Kill by Julie Glassberg- BGD Photo Month 2019
I happened to be at this parallel exhibit, so I share it,
wonderful work!

102 komma 5

Erneut grosse Distanzen die ich zurücklege. Diesmal West-Ost. Diesmal mit dem Zug. Wieder quer durch Europa. Kein Fotoprojekt weshalb ich diesmal aufgebrochen bin. Gerade deshalb scheint sich ständig eine Frage in meinem Kopf zu drehen: Was ist privat, was ist Kunst – in meinem Tun. Ist das private Kunst. Ist die Kunst privat. Alles trifft zu und doch immer wieder der Versuch der Trennung. Zu trennen was nicht zu trennen ist. Ich breche in einer privaten Angelegenheit auf. Ich breche auf um mir ein Bild zu machen, doch auch um ein Bild zu fotografieren. Genau eines. 102,5 Jahre später. Es hat mit meinem Grossvater zu tun, mit dem, den ich kannte, der mir sehr viel bedeutet.

Genau eine Foto möchte ich machen. Es werden mehrere werden, das geht gar nicht anders. Doch es geht um Eines. Wird es mir gelingen? Das sind die Fragen.

Ich habe ein Bild im Kopf. Und ich werde mit einem Bild zurückkommen. Die beiden Bilder werden verschieden sein. Dazwischen liegt die Reise.

Wahrsagerei

Gestern. Genau gestern war es so weit. Ich ging zu den Wahrsagern. Ich habe mir gestern die Zukunft voraussagen lassen!

Der Jahrmarkt ist in der Stadt, da muss ich hin. Eine Glaskugel. Eine Glaskugel rollt über eine Schiene ein System von Schienen. Beeindruckend arrangiert. Sie nimmt kosmische Energien auf, gibt Energien ab, rollt dadurch Spiralen, segelt durch die Luft, gurgelt durch Rohre, durchquert die Elemente. Das Pendel zeigt haargenau zum Erdmittelpunkt. Das Schicksal durchrollt ein Stäbchenlabyrinth.

Die Kugel hinterlasst eine Spur, so wie WIR auch. Ich bin Spurensucher unserer selbst. Das habe ich gemeinsam mit dem Wahrsager. Er lest aus der Spur der Kugel meine Zukunft. Ich lese aus den Spuren von UNS, jedoch lese ich die Gegenwart. Hier ein kurzer Moment der Überschneidung.

Der  Konstrukteur der Apparatur nimmt ein Blatt aus der Maschine, gibt es dem Wahrsager. Aus der Spur wird gelesen. Grossartig. Er lest mir vor, was nur er lesen kann: Die Zukunft bringt einen kreativen Fluss.

Wahrsager sind oft auch Künstler. In diesem Fall sind es Clemens Bauder und Gregor Graf. Noch zu besuchen am Urfahrmarkt bis 7. Mai 2017. Hinterlasst Eure Spur! Wir alle können daraus lesen.

Mille-feuille

Observing ground plots of our living that is ground plots of our being – is what I am doing. This is exciting, indeed. I do it by the means of patterns we created (WIR Series), a house we created (Corviale), a street we created (Europastrasse). May the projects have all the same motivation, it turns out that I find myself in the need of  different means to narrate them.

One thing gives the other and so appeared the Video. 80 hours in length. I found it to be the best way to grasp a structure being several thousand kilometres long – being still ungraspable.

As I keep reflecting ourselves, by delving into things, I am in the need to cover the complexity – a challenge. Therefore Europastrasse is puzzling me. The way of working things through is

literally a puzzle – put together piece by piece is the strategy. Making a mille-feuille. Every ‘feuille’ needs to be rolled out. Layer by layer it will arise to be a an entire cake.

Launching the Video at crossing Europe Film Festival was a very important step. It starts giving flavor to the whole, a whole which will not be finished for quite some time.

The images in the corviale book create a cloud through which the viewer will glimpse a piece of the entire building and therefore a glimpse of us [as society].  The approach in Europastrasse is to layer things by disrupting the media of narration. There was text, now there is video, more to come.

This is the state I am in right now. Baking the cake.

On a long and lonesome highway

Manchmal frage ich mich wieviel Energie habe ich für etwas gegeben. Wieviel ist geflossen. Ich möchte es einfach nur wissen.

Out there in the spotlight
You’re a million miles away
Every ounce of energy
You try to give away
As the sweat pours out your body
Like the music that you play
Later in the evening
As you lie awake in bed
With the echoes from the amplifiers
Ringin’ in your head

(Bob Seeger, Turn the Page)
(Übrigens eine der lyrischsten Darstellungen von E=mc^2)

Die Fahrt entlang der Europastrasse war extrem anstrengend. Fast Erwartungsgemäss. Dieses ‘fast’ erkläre ich ein andermal. Es hat nichts mit dem Englischen ‘fast’ zu tun.

Nun habe ich das Video Geschnitten. Tag für Tag sitze ich. Der Dieselmotor röhrt wie ein Ferrari, die Kurven sind eng. Kein Wunder, ich lege die Strecke meist mit 5-facher Geschwindigkeit zurück – am Schneideplatz. Sonst ist die Fülle des Materials nicht zu bewältigen. Es fühlt sich an wie ein Video Spiel, dass ich nun seit Wochen täglich spiele. Virtuelle Realitäten. Allerdings, sie waren einmal echt. Die Aufgabe: Vardø zu erreichen. Dass es keinen Unfall geben wird, weiss ich bereits. Ich war ja in der Realität dabei.

Ich schaue gebannt auf den Schirm meines Schneideplatzes. Ich sitze lediglich, doch hoch konzentriert. Meine Synapsen hüpfen, Verbindungen werden re-aktiviert, andere werden neu geknüpft. Emotionen sind da, ich habe die Textur ja selbst gewebt.

‘Later in the Evening, as I lie awake in Bed’ bin ich dann erschöpft, sehr erschöpft. Die Snyapsen pulsieren noch ein wenig. In diesem Augenblick würde ich gerne wissen, wieviel ‘ounces of Energy’, heute geflossen sind. Ich habe es ein weiteres mal unterschätzt. Es war ein weiteres mal wundervoll.

Bob Seger – Turn the Page

Download MP3: http://amzn.to/YfeIyu Bob Seger – Turn the Page

Source: www.youtube.com/watch?v=Fe7yOccqdxI