Wie verlässt man eine Europastrasse?

Schweren Herzens. Das ist die Antwort, für mich selbst etwas überraschend.

Asbjørn habe ich in Vardø während meiner Residency kennengelernt. Dank ihm wurde aus meiner ‘One Day Residency’ in Vardø ein mehrtägiger, unheimlich reicher Aufenthalt, fast eine Woche lang. Asbjørn, selbst Fotograf, selbst Künstler. Wir verstehen uns, haben einen Draht. Es ist gut, mit ihm Dinge zu diskutieren, fragen zu können, Spass zu haben, die Umgebung zu erkunden. Er ist ein Ankerpunkt in das Hier und Jetzt.

Zwei Tage vor der Abreise fahren wir noch einmal ein Stück der E75 – gemeinsam – diesmal südwärts. Meine Gedanken laufen sofort los. Hundert Kilometer pro Tag und wir würden unausweichlich in Sitia ankommen. Natürlich mit Winterreifen. In Lappland gab es mittlerweile einen Kälteeinbruch, Stürme, Schnee – im Juni. Zur Erinnerung, das ist dort, wo ich im See baden war, daneben auf einer Decke saß und kurdische Weinblätter aß.

Dann etwas Wehmut, dass wir bereits nach ein paar Kilometern wieder umkehren werden. Noch einmal steige ich aus um zu fotografieren. Es gelingt mir ein Bild, es hat das Potential ausgestellt zu werden. Mein letztes Bild des E75 Projektes! Wir fahren in den Tunnel der uns auf die Insel nach Vardø bringt, 500 Meter nach dem Tunnel, an der Anlegestelle der Schiffe, ist Start- und Endpunkt der E75.

Wie diesen Teil des Projektes würdig beenden? Die Antwort: Mit dem Schiff – Richtung Norden, gewohnheitsgemäß.

Was bleibt? Das ist in einem Satz nicht zu beantworten. Das Projekt geht natürlich weiter. Auch den Blog wird es in entsprechender Form weiter geben. Die vielen Begegnungen, die vielen Straßenkreuzungen, das alles verarbeiten.

mitternachtImMuseum

Neulich Mitternacht im Museum (Vardø)

Erst geistig, dann im Projekt. Recherchen anstellen. Eine Auswahl an Bildern treffen. KuratorInnen treffen. Ausstellungen planen. All das wird meine nächsten Jahre bestimmen.

Für diesen ersten Projektschritt bleibt mir Danke zu sagen. Eine detaillierte Danksagung überfordert mich an dieser Stelle, sie wird folgen.

Eine Vielzahl an Menschen hat mich unterstützt, um dieses Projekt gelingen zu lassen: meiner Frau und meinen Freunden, in der Projekt-Bodenstation, möchte ich gleich ein Riesen-Dankeschön zukommen lassen. Sie haben mir den Rücken freigehalten, Probleme gelöst, Texte übersetzt, alles am Laufen gehalten. Es ist ein Verbund an großartigen Personen, an Freunden, die stets selbst das Projekt mit Freude verfolgt und unterstützt haben. Sie haben es gelingen lassen. Auch den zahlreichen Leuten entlang der E75, welche ich portraitieren durfte, mit denen ich geredet habe, die das Projekt durch ihr jeweiliges Sein gelingen haben lassen, möchte ich an dieser Stelle ein herzliches Danke sagen. Oft verstand ich den vielen Hass nicht, der in Europa derzeit umgeht, von dem ich so viel lese. Für mich war es eine Fahrt voll erfüllender Begegnungen ohne nennenswerte Probleme. Dafür bin ich dankbar.

Auch dafür, dass Ihr mein Projekt verfolgt, bin ich dankbar. Es war für mich ein schönes Gefühl verbunden zu sein. Natürlich blogge ich weiterhin, wenn auch nicht mehr so regelmäßig. Stay tuned!

Ich hoffe, die Publikationen, die Bilder werden diese Intensität, die bisher war, transportieren. Es würde mich freuen, wenn Ihr weiterhin meiner Arbeit folgt, davon wird sie getragen.

Man hebt das Auto in das Schiff. Wir gleiten davon, ich blicke zurück – und nach vorne – auf die E75.

2 thoughts on “Wie verlässt man eine Europastrasse?

  1. Astrid Harrison

    lieber otto, ich gratuliere herzlich zur vollendung des projektes und zur reise über die gesamte e75! wirklich toll!

    jetzt war ich selbst ein bisschen traurig, dass du schon fertig bist – ich habe es so genossen mit dir durch all die interessanten länder zu fahren!

    cheerio,
    astrid

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  2. Eva Gütlinger

    Lieber Otto,
    auch von mir eine herzliche Gratulation zu dem tollen und ganz offensichtlich gelungenen Projekt! Es war echt mutig von dir den Weg – oder besser gesagt die Straße – anzugehen und wie wir sehen, hat es sich gelohnt!
    Was mich besonders freut ist, dass du dich auch als Schreiber entpuppt hast – sehr feiner blog, danke dafür!
    Habt noch eine schöne Zeit im Norden und viel Freude auch abseits der E75 🙂
    Liebe Grüße,
    Eva

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