Horizont

Gestern habe ich irgendeinen Horizont überschritten. Ich weiss nicht genau welchen, aber ich spüre es. Plötzlich bin ich im Norden. Dann sage ich mir wieder “you ain’t seen nothin’ yet”, du weisst ja gar nicht, was der Norden ist. Doch ich spüre eine Verschiebung.

Liegt es an einer anderen Luft, an einem anderen Licht, an einer landschaftlichen Veränderung, an einer Schwingung, an einer Überlagerung dieser Dinge? Ich weiss es nicht. Natürlich, den Balkan habe ich verlassen. Wo genau weiss ich ebenfalls nicht. Zählt Bratislava noch dazu?

Die E75 eröffnet gerade eine weitere Dimension, eine Unterschiedlichkeit auf einer Ebene, auf der die letzten 1.500 Kilometer kein Unterschied festzustellen war.

Mich fasziniert, dass zwei Ortschaften, Sitia und Vardø durch eine Autobahn, streckenweise Fernstrasse, miteinander verbunden wurden. Anfangs dachte ich, der Ursprung der Strasse sei darin begründet, dass die Vardøenesen nach Sitia auf Urlaub fahren können. Es ist ein Traumziel. Palmen. Griechischer Wein. Deshalb habe ich meine Fahrt außerhalb der Hochsaison angelegt, damit ich nicht in den ganzen Rückreiseverkehr gerate und an der norwegischen Grenze im Stau stehe. Doch ich bin nahe daran diesen ursprünglichen Gedanken zu verwerfen, ehrlich, ich glaube es mittlerweile nicht mehr. Warum aber sonst sind zwei Inseln durch eine mehrere tausend Kilometer lange Strasse verbunden? Warum?

Jedenfalls habe ich “den Norden” erreicht, sagen wir: den südlichen Norden.

3 thoughts on “Horizont

  1. Agnes Hochgerner

    Hallo Otto, immer wieder bin ich auf deinem Weg mit unterwegs. Obwohl ich es meistens von zu Hause aus mache.
    Für mich ist der Norden in erster Linie das Licht, die Weite und damit eine andere Freiheit im Atmen……..wenn ich deine Zeilen lese, spüre ich es.
    Hab weiterhin eine gute Zeit.
    Und hast du wieder einmal Brateier gekocht?
    Liebe Grüße,

    Agnes

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    1. Otto Hainzl Beitragsautor

      Liebe Agnes,
      danke für Deinen Kommentar. Ich bin schon neugierig wie sich der Norden “weiterentwickelt”. Das mit den Brateiern hat sich jedenfalls weiterentwickelt, ich bekomme jeden Tag welche zum Frühstück. Daher habe ich meinen eigenen Bratbetrieb vorübergehend eingestellt.

      Liebe Grüsse, Otto

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  2. Werner Begusch

    Hallo Otto,

    ja, spannende frage wo der Süden aufhört und der Norden anfängt.

    Kulturell-mentalitätsmäßig wohl etwas weiter südlich als dort wo Du zum Zeitpunkt Deines Blogkommentars unterwegs warst: Bist Du auch in Novi Sad gewesen, in der Stadt drin? Das quirlige, etwas chaotische Belgrad gehört eindeutig noch zum Süden, Novi Sad, nur 100 km nordwestlich im selben Land, ist hingegen ruhig, geordnet, mitteleuropäisch. Ähnlich verblüffend sind diese Kontraste in Rumänien, zwischen Siebenbürgen einerseits und der Tiefebene zwischen Craiova und Bukarest andererseits.
    Aber warum in die Ferne schweifen? Das Gute liegt so nah: Schon im Wald- und Mühlviertel kommt es mir deutlich “nördlicher” vor als in meiner steirischen Heimat.

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